Die Geburtsstätte des Wohlgeruchs – Die „Casa del Profumo“ in Santa Maria Maggiore


Malerisch eingebettet im Valle Vigezzo (dem „Tal der Maler und Schornsteinfeger“) liegt das italienische Bergdorf Santa Maria Maggiore. Was viele heute nicht mehr wissen: Genau hier liegt die historische Wiege einer der berühmtesten Duftkreationen der Menschheitsgeschichte – dem Eau de Cologne (Kölnisch Wasser). Das dortige Duftmuseum, die Casa del Profumo Feminis-Farina, widmet sich mit viel Liebe zum Detail dieser faszinierenden Geschichte und lädt Besucher zu einer interaktiven, sensorischen Entdeckungsreise ein.

Die beiden Begründer und das Geheimnis des „Aqua Mirabilis“

Die Entstehung des weltbekannten Duftes basiert auf der genialen Zusammenarbeit und dem Pioniergeist zweier Männer aus Santa Maria Maggiore:

Giovanni Paolo Feminis (ca. 1660–1736): Feminis erfand Ende des 17. Jahrhunderts eine Rezeptur für ein alkoholisches Kräuterelixier, das er „Aqua Mirabilis“ (Wunderwasser) nannte. Ursprünglich war dieses Elixier nicht primär als Parfum gedacht, sondern als medizinisches Allheilmittel zum Einnehmen oder Einreiben gegen Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Ohnmachtsanfälle. Es basierte auf einer erfrischenden Mischung aus Zitrusnoten, Bergamotte und Heilkräutern.

Giovanni Maria Farina (1685–1766): Farina, ein ebenfalls aus dem Tal stammender, begnadeter Parfumeur und Verwandter von Feminis, erkannte das ästhetische Potenzial dieses frischen Duftes. Er verfeinerte die Rezeptur im deutschen Köln, wo er sich niedergelassen hatte, und schuf ein Parfum, das ihn an „einen italienischen Frühlingsmorgen nach dem Regen“ erinnerte. Zu Ehren seiner neuen Wahlheimat nannte er die Schöpfung „Eau de Cologne“.

Die Spuren im Dorf: Santa Maria Maggiore als Ursprung

Das Dorf Santa Maria Maggiore im Valle Vigezzo ist stolz auf seine Söhne. Aufgrund der wirtschaftlichen Notwendigkeit verließen damals viele Bewohner das Tal als Händler, Kaminfeger oder eben als Erfinder und Parfumeure. Die Casa del Profumo im Herzen des Ortes ehrt diese Auswanderer und zeigt eindrucksvoll, wie die tief verwurzelte Kräuterkunde des Alpentals und der alpine Pioniergeist den Grundstein für eine weltweite Industrie legten.

Triumphzüge an den Königshäusern und der Weg zu „4711“

Im 18. Jahrhundert war die hygienische Situation an den europäischen Höfen katastrophal – Wasser galt als potenzieller Krankheitsüberträger, weshalb man sich lieber puderte und parfümierte. Das frische, leichte Eau de Cologne bot eine revolutionäre Alternative zu den bis dahin üblichen, schweren Moschusdüften.

Kaiser, Könige und Adlige – von Napoleon Bonaparte (der angeblich flaschenweise davon verbrauchte) über Königin Viktoria von England bis hin zu den preußischen Königen – verfielen dem Duft aus Köln. Er avancierte zum Statussymbol der europäischen Elite.

Die Marke 4711 entstand erst später, im Jahr 1792, als der Kölner Kaufmann Wilhelm Mülhens das Rezept für das „Wunderwasser“ erwarb. Während der französischen Besatzung Kölns ordnete der französische Kommandant an, alle Häuser fortlaufend zu nummerieren. Das Geschäft von Mülhens in der Glockengasse erhielt die Hausnummer 4711 – ein Name, der bald zur weltweit bekannten Markenikone für das „Echt Kölnisch Wasser“ wurde.

Das lebendige Museum: Riechen, Mischen und Experimentieren

Die Casa del Profumo ist kein verstaubtes Geschichtsmuseum. Sie versteht sich als interaktiver Erlebnisraum. Besucher sind ausdrücklich dazu eingeladen, die Welt der Düfte aktiv mit ihren Sinnen zu erforschen:

An verschiedenen Stationen können die Besucher die reinen, natürlichen Essenzen riechen, aus denen das Originalrezept komponiert wurde.

In einem originalgetreu nachempfundenen Laborbereich können Besucher die physikalischen und chemischen Geheimnisse der Destillation begreifen und selbst ausprobieren, wie sich Kopf-, Herz- und Basisnoten zu einem harmonischen Gesamtbild verbinden.

Visuelle Impressionen und Interpretation der Museumsexponate


Die Bilder aus dem Museum vermitteln die einzigartige Atmosphäre vor Ort und veranschaulichen die historische Tiefe der Ausstellung:


  • Die Duftpyramide („Le note e le famiglie olfattive“): Eine Informationstafel widmet sich den Geruchsebenen. Sie erklärt anschaulich den flüchtigen Verlauf eines Parfums: Die Kopfnote (Note di testa – u.a. Zitrusfrüchte und Lavendel, die die ersten 5 Minuten dominieren), die Herznote (Note di cuore – florale Noten wie Jasmin oder Orangenblüte) und schließlich die langanhaltende Basisnote (Note di fondo – tiefe Aromen wie Zimt, Hölzer oder Moschus).
  • Der Erfinder und die Flakons: Ein Ausstellungsregal zeigt historische Flaschen des echten Kölnisch Wassers, darunter die ikonische türkis-goldene Flasche von 4711 sowie Flakons von Farina Gegenüber und Roger & Gallet. Darüber wacht das Porträt des elegant perückten J.M. Farina (1685–1766).
  • Die historische Mode: Ein Mannequin präsentiert die typische Kleidung eines reisenden Parfumeurs oder Händlers aus dem 18. Jahrhundert – komplett mit Dreispitz, Rüschenkragen (Jabot) und einer dezent im Gürtel verstauten Duftflasche. Diese Händler brachten die feinen Essenzen aus Italien über die Alpen.
  • „Un Mondo di profumi“ (Weltkarte der Düfte): Eine liebevoll illustrierte Weltkarte zeigt den Ursprung der kostbaren Rohstoffe. Sie visualisiert, dass die Parfumeure schon früh globale Handelswege nutzten, um Bergamotte aus Italien, Vetiver aus Haiti, Rosen aus Bulgarien oder Sandelholz aus Indien zu beziehen.
  • Das Alchemisten-Labor: Im Ausstellungsraum befindet sich ein rustikaler Holztisch, der mit historischen Apothekergläsern, Kräutern, alten Rezeptbüchern und einer glänzenden Kupfer-Destillationsapparatur (Alembik) ausgestattet ist. Hier wird die Brücke zwischen der alten Klostermedizin und der modernen Parfumeurskunst geschlagen.
  • Verkauf und Souvenirs: Vitrinen und Fensterbänke präsentieren die exklusiven, im Museum erhältlichen Produkte, wie Kräutertees („Tisana alle erbe – Aqua Mirabilis“) und handwerklich hergestellte Raumdüfte, die das Erbe von Feminis und Farina in die heutige Zeit tragen.

Fazit

Die Casa del Profumo in Santa Maria Maggiore verbindet auf faszinierende Weise die oft vergessene ländliche Geschichte des Vigezzo-Tals mit dem weltmännischen Luxus der europäischen Königshäuser. Ein Besuch bietet nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern schult die Sinne und lässt die Besucher selbst zu kleinen Alchemisten der Düfte werden.

Es ist ein herrlicher Ausflug mit der Centovalli Bahn und es sollte dort übernachtet werden. Zudem gibt es ein sehr sehenswertes Schornsteigermuseum. Es lohnt sich die Tourismusinfo für den Ausflug zu kontaktieren.

Die Website vom Parfümmuseum

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